Urbaner Verkehr oder: Ampeln sind überholt
Verfasst: 01.02.2008, 22:53
Da ich fast täglich 2x20km zur Uni und zurück mit dem Fahrrad quer durch Frankfurt fahre (das ist wörtlich zu nehmen, ich fahre von Süd-Osten rein und komme im nordwestlichen Ende an) mache ich mir auch viel Gedanken über den urbanen Verkehr, das Verkehrsaufkommen, Verhalten der Verkehrsteilnehmer, usw...
Jeden Morgen wenn ich mich an den Staus vorbeischlängele und quasi ungehindert meine übliche Geschwindigkeit fahre schaue ich etwas besserwisserisch-enttäuscht-grinsend und rede mit mir selbst: "Lemminge...". Ich kann jede Fahrt an einer Hand abzählen in wievielen Privatwagen mehr als eine Person sitzen (Privatwagen deshalb, weil ich mit Lehrlingen vollgestopfte Malermeistertransporter und solche Faxen nicht dazu zähle, weil das keine "freiwilligen" Fahrten in dem Sinne sind). Da werden doch tatsächlich zu über 99% gemittelte 1,5t Stahl für 70-130kg Mensch durch die Gegend kutschiert, der Nutzlastfaktor geht stark in Richtung Weltraumraketen...
Das ganze erreicht seinen zynischen Höhepunkt im ständigen Fangen-spielen zwischen den Ampeln... die Autos geben kräftig Gas und warten an der nächsten roten Ampel wieder brav bis ich sie eingeholt hab. Zeitgewinn? Je nach Strecke so ziemlich genau um 0 herum, manchmal ein paar Minuten schneller als ich und manchmal sogar langsamer (spätestens wenn man die Parkplatzsuche im Innenstadtbereich miteinbezieht wirds grotesk, oder von mir aus auch Kosten für Parkhäuser oder ähnliches).
Eigentlich sollte das gar kein Plädoyer gegen Autos im Stadtgebiet sein. Mir gehts mehr um die Ampeln. Die Autos behindern sich ja sowieso schon stark gegenseitig und die Ampeln setzen dem die Krone auf. Ampeln sind für deutsche Autofahrer so etwas wie unantastbare Autoritäten. Auch Nachts um 3 bei perfekter kilometerweiter Sicht und der Erkenntnis das sich im Umkreis von mindestens 2 sichtbaren km kein weiteres Auto befindet - hält man und wartet. Naja, fast. Da im Gelb-Orangen-Blutorangen-Fastroten-Kirschgrünen-Bereich ist die Toleranz recht groß, ist halt eine gutmütige Autorität
Mittlerweile habe ich mir auf dem Fahrrad einen Fahrradkurier-Fahrstil zugelegt. Das bedeutet: Ampeln sind kein Verantwortungsübernehmer sondern bloß "dynamische Vorfahrtszeichen". Erklärt sicht ja eigentlich schon fast von selbst. Das heißt konkret: Ich fahr immer über die Kreuzung aber wenn ich grad rot habe hat der Querverkehr eben Vorfahrt, sofern denn welcher da ist. Seitdem bin ich nochmal über 5 Minuten schneller (~45 statt ~50 Minuten Fahrt).
Das war aber auch ein Überwindungsprozess. Als quasi-Deutscher hatte ich auch schon ein typisches Gefühl für Ampeln. Zumindest bei den Ampeln für den motorisierten Verkehr, bei Fußgängerampeln gehen sogar Deutsche mal bei Rot über die Straße
(in Los Angeles kriegt man dafür tatsächlich von den Streifenbullen einen Strafzettel wenn sie einen dabei "erwischen"
hab ich von George Carlins Hörbuchfassung seines Buchs). Bei ganz wenigen Ampeln bin ich früher schon als Radler bei rot rüber. Wenn Autofahrer hinter mir waren waren die Skrupel schon größer, ich wollte mir nicht das übliche Fahrradfahrer-sind-Verkehrsrowdies-Image aufdrücken lassen. Mittlerweile bin ich aber geheilt. Ich sehe auch keinen echten praktischen Grund warum ich dies nicht weiterhin tun sollte. Als Radfahrer verbindet man nunmal alle Vorteile von Auto und Fußgänger was die Beweglichkeit angeht. Sehr klein, perfekte Übersicht über die Verkehrslage, extrem viel Reaktionszeit und extrem viel mehr an direkter Kontrolle über mein Gefährt, mit etwas Übung letztendlich genauso flexibel beweglich wie ein Fußgänger. Ich begebe mich also mitnichten in irgendeine Gefahr und die Autofahrer meckern sowieso eigentlich nur aus Neid - was sind denn da sonst die Argumente? "An die Regeln hält man sich nunmal" Jaja klar, aber 90% aller Autofahrer fahren irgendwo immer mal zu schnell oder bei Regen/Nebel/Schnee einfach mit völlig unangebrachter Geschwindigkeit und Sorgfalt und dazu noch die ganzen Spezialisten die telefonieren, rauchen, essen oder die auch den Rest der Verkehrsteilnehmer an ihrer 500Watt-Anlage teilhaben lassen. Neid oder die übliche selektive Wahrnehmung.
Sehr interessant dabei ist, dass nicht nur Radkuriere und andere junge "nicht-gleichgeschaltete" so denken und fahren sondern GERADE sehr viele der älteren Generation! Die fahren immer genüssliche 15 km/h auf ihren mehr oder weniger klappernden Rädern und lassen sich dafür im Gegenzug auch nicht von einer unnötig roten Ampel aufhalten - wenn die Kreuzung frei ist fährt man eben einfach drüber. Wieso eigentlich nicht?
Jeden Morgen wenn ich mich an den Staus vorbeischlängele und quasi ungehindert meine übliche Geschwindigkeit fahre schaue ich etwas besserwisserisch-enttäuscht-grinsend und rede mit mir selbst: "Lemminge...". Ich kann jede Fahrt an einer Hand abzählen in wievielen Privatwagen mehr als eine Person sitzen (Privatwagen deshalb, weil ich mit Lehrlingen vollgestopfte Malermeistertransporter und solche Faxen nicht dazu zähle, weil das keine "freiwilligen" Fahrten in dem Sinne sind). Da werden doch tatsächlich zu über 99% gemittelte 1,5t Stahl für 70-130kg Mensch durch die Gegend kutschiert, der Nutzlastfaktor geht stark in Richtung Weltraumraketen...
Das ganze erreicht seinen zynischen Höhepunkt im ständigen Fangen-spielen zwischen den Ampeln... die Autos geben kräftig Gas und warten an der nächsten roten Ampel wieder brav bis ich sie eingeholt hab. Zeitgewinn? Je nach Strecke so ziemlich genau um 0 herum, manchmal ein paar Minuten schneller als ich und manchmal sogar langsamer (spätestens wenn man die Parkplatzsuche im Innenstadtbereich miteinbezieht wirds grotesk, oder von mir aus auch Kosten für Parkhäuser oder ähnliches).
Eigentlich sollte das gar kein Plädoyer gegen Autos im Stadtgebiet sein. Mir gehts mehr um die Ampeln. Die Autos behindern sich ja sowieso schon stark gegenseitig und die Ampeln setzen dem die Krone auf. Ampeln sind für deutsche Autofahrer so etwas wie unantastbare Autoritäten. Auch Nachts um 3 bei perfekter kilometerweiter Sicht und der Erkenntnis das sich im Umkreis von mindestens 2 sichtbaren km kein weiteres Auto befindet - hält man und wartet. Naja, fast. Da im Gelb-Orangen-Blutorangen-Fastroten-Kirschgrünen-Bereich ist die Toleranz recht groß, ist halt eine gutmütige Autorität
Mittlerweile habe ich mir auf dem Fahrrad einen Fahrradkurier-Fahrstil zugelegt. Das bedeutet: Ampeln sind kein Verantwortungsübernehmer sondern bloß "dynamische Vorfahrtszeichen". Erklärt sicht ja eigentlich schon fast von selbst. Das heißt konkret: Ich fahr immer über die Kreuzung aber wenn ich grad rot habe hat der Querverkehr eben Vorfahrt, sofern denn welcher da ist. Seitdem bin ich nochmal über 5 Minuten schneller (~45 statt ~50 Minuten Fahrt).
Das war aber auch ein Überwindungsprozess. Als quasi-Deutscher hatte ich auch schon ein typisches Gefühl für Ampeln. Zumindest bei den Ampeln für den motorisierten Verkehr, bei Fußgängerampeln gehen sogar Deutsche mal bei Rot über die Straße
Sehr interessant dabei ist, dass nicht nur Radkuriere und andere junge "nicht-gleichgeschaltete" so denken und fahren sondern GERADE sehr viele der älteren Generation! Die fahren immer genüssliche 15 km/h auf ihren mehr oder weniger klappernden Rädern und lassen sich dafür im Gegenzug auch nicht von einer unnötig roten Ampel aufhalten - wenn die Kreuzung frei ist fährt man eben einfach drüber. Wieso eigentlich nicht?