habe mal wieder ein bisschen castaneda gelesen. ist wieder so weit.
irgend eins der buecher genommen und irgendwo aufgeschlagen.
und zack. hat mich dieses weltbild wieder gehabt.
la gorda und castaneda begannen sich gemeinsam an die nagual frau zu erinnern und zusammen zu traeumen.
wenn man sich den dialog logisch und rational durchliest kommt man zu dem schluss das da zwei sich irgendwas zusammen spinnen.
logisch und rational betrachtet seh ich das auch so.
aber...
die art und weise wie das gespraech verlauft, oder die worte oder was auch immer, ruft in mir etwas wach. so als wuerde etwas in mir sagen: ja, das kenne ich. es ist nicht die geschichte der beiden oder das sie sich an die andere frau erinnern. nein, wie es geschrieben ist erinnert mich an etwas was ich aber immer nur fast zu greifen bekommen. es ist weniger der text des buches als viel mehr die musik des buches.
rational betrachtet koennte man jetzt sagen: dann spinnst du eben auch.
Ja, koennte man sagen. glaub ich aber nicht.
Ich habe jetzt einfach mal das Gleiche getan (Buch aufgeklappt) da Du mit Deinem Statement sozusagen die Ebene des sog. "Intent" (>>Absicht) betreten hast, der Schlüssel zu paralleler Wahrnehmung.
Aus "Das Rad der Zeit" :
"Die Handlungen der Leute beeinflussen einen Krieger nicht mehr, denn er hat keinerlei Erwartungen mehr.Ein seltsamer Friede wird zur beherrschenden Kraft seines Lebens.
Er hat eine der Ideen vom Leben eines Kriegers angenommen - Losgelöstheit."
"Losgelöstheit bedeutet nicht automatisch Weisheit, aber sie is dennoch von Vorteil, denn sie erlaubt dem Krieger, einen Moment innezuhalten, um Situationen zu überprüfen, um Positionen zu überdenken. Um diesen besonderen Moment aber konsequent und richtig zu benutzen, muss der Krieger sein Leben lang unnachgiebig kämpfen."
Anders ausgedrückt: Du hast Dich im Moment der intuitiven Entscheidung ("ist wieder soweit")
an die Schwelle der Parallelen Wahrnehmung begeben und den Moment in Gegenwart
benutzt um zwei für Dich oberflächlich paradox anmutende Wahrheiten in einem Zustand der Losgelöstheit zu betrachten.
Castanedas Bücher arbeiten auf beiden Ebenen: Einerseits ist er wie jeder andere Mensch dazu gezwungen mit Bildern, Metaphern sowie Mitteln der Reflektion und der Ratio zu arbeiten (durch z.B. die Syntax unserer Sprache) andererseits ist das was Du als
"Musik" bezeichnest die Ebene des Intents, des Nagual oder der nicht-linearen Interpretation
von Raum und Zeit als fixe Realität wie wir sie gewöhnlich wahrnehmen.
Ich habe es mir selber schon einmal so erklärt: Wenn ich einer Symphonie lausche
macht das Gehörte nur dann wirklich Eindruck wenn ich es als homogenes Ganzes aufnehme.
Ich könnte stattdessen auch jede einzelne Note analysieren, jeden Satz, jeden Kontrapunkt,jede Fuge sezieren und selektieren und darüber eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben - und dabei die eigentliche Botschaft, den Genuss und die Wirkung
als Ganzes nicht mehr ERLEBEN sondern lediglich fortwährend interpretieren was technisch betrachtet vor sich geht.
Losgelöstheit (i.Sinne.v. Paralleler Wahrnehmung) bedeutet beide Möglichkeiten als Äquivalent zu betrachten - unser aktuelles Dilemma ist, das wir uns auschliesslich auf die Fixierung auf selektive, rationale Interpretation fixiert haben.