Andre23 hat geschrieben:
Deutlicher hättest du es nicht zum Ausdruck bringen können..da gehts für dich längs.
Tut mir wirklich leid für dich (das meine ich so, da ich es absolut nachempfinden kann = null Ironie) doch vielleicht solltest du in dir ein bisschen nachforschen was dich zum nicht-vertrauenden, depressiven, vermurksten "Androiden" macht bzw. gemacht hat (was für eine beklemmende[selbstanklagende] Selbsteinschätzung bzw. fortgesetzte Selbstprogammierung) - klingt sehr persönlich und ebenso tief vergraben.
Was sind Deine "Erinnerungsperlen" ?
...
Aus dieser Perspektive ist meine Vergangenheit meine "persönliche Geschichte" und Identität eine Aneinanderreihung von Ereignissen, wie Perlen, aufgereiht auf einer Schnur die in diesem Fall die Zeit repräsentiert, die seit meiner Geburt vergangen ist - eine lineare Bewegung ausgehend von jenem ersten Schritt. Der einzige Wert den sie, diese Perlen der Erinnerung besitzen, liegt darin wie ich mit ihnen umgehe, sie betrachte ohne mich von ihrer Schönheit oder ihrem Schrecken gefangennehmen zu lassen.
Nicht, wie viele ich davon besitze oder wie viele mir geblieben sind ist entscheidend.
Betrachte ich sie als eine Kette von Ereignissen die aufeinander folgen und einander bedingen so komme ich, der ich wach, unvoreingenommen und ganz Selbst bin, fast zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass meine Geschichte , meine Perlen der Erinnerung nichts als Zeitkapseln sind : Erinnerungen, eingefroren und konserviert in Momenten des Erlebens nach denen sich mein Herz ein ganzes Leben lang zurücksehnt oder vor denen es sich ein ganzes Leben lang fürchtet.
Schön, wenn man an seine Erinnerungsperlen ran kommt. Meine Erinnerungen sind eher tief im Nebel verborgen. Nur gelegentlich taucht mal das eine oder andere auf, meist im Zusammenhang mit einem Gefühl, ein Bezug zu meinen psychischen Problemen findet sich dabei aber bisher nicht.
In den Therapieexperiemente, die sich in kleineren und größeren Phasen durch die Jahrzente meines Lebens ziehen, sind die Kernpunkte meiner Probleme, sofern es solche tatsächlich gibt, im Nebel geblieben, auch wenn ich
MIR im Laufe der Jahre schon deutlich näher gekommen bin, und mich doch meinem
SELBST immer mehr entfremdet habe.
"ganz Selbst sein" - da steckt einmal das
Ganz-Sein und dann das
Selbst-Sein drin. Ich weiß aber gar nicht was dieses
SELBST eigentlich ist. Oft bin ich mir ganz sicher, aus vielen Selbsten zu bestehen, wie ein Schauspieler, der sich so in seine Rollen vertieft hat, dass er nicht mehr weiß, welche der Rollen sein wirkliches Leben ist.
Das
Ganz-Sein wäre vielleicht der Weg heraus: Alle Rollen reintegrieren - aber wohin, zu was?
Ich versuch's zur Zeit mal mit einem meditativen Weg, auch wenn es mir nahezu unmöglich ist, die dafür nötige Selbstdisziplin aufzubringen. Habe aber gemerkt, dass eine gewisse Beständigkeit der Absicht meine Unfähigkeit, mich freiwillig regelmäßig einer Sache zu widmen, etwas aufhebt. Konkret gelingt es mir nicht, täglich für 1 Stunde zu meditieren, obwohl ich die Zeit ohne weiteres hätte. Trotzdem mache ich Fortschritte, weil offenbar diese Regelmäßigkeit gar keine so unbedingte Voraussetzung ist, sondern nur die Absicht oder der Wille, auf diesem Weg weiter zu kommen.
Ich glaube, die schlimmste unserer Masken ist dieser ständige innere Dialog, der Strom von Gedanken. Weil wir diese vor uns selbst aufsetzen, als wollten wir uns ständig beweisen, dass es uns gibt. "Ich denke, also bin ich" - einer der blödesten Sätze der Geschichte, trotzdem bezeichnend. Die Gedanken, basierend auf Erinnerung, oft verknüpft mit den gegenwärtigen Einflüssen und meist bezogen auf irgendwelche zukünftigen, vermutlich eintretenden Ereignisse schaffen das "denkende Selbst" als Vorstellung, die diese körperliche Entität in einen zeitlichen und sozialen Rahmen stellt und damit gedanklich als Selbst durch andauernde Selbst-Bestätigung definiert.
Es fällt mir recht schwer, diesem Strom der Gedanken zu entrinnen, die sich unablässig aufdrängen wie eine Schar hungriger Kinder. Klar kann man den Strom ablenken (z.B. Film, Fernsehen) oder in günstigen Momenten auch ersetzen (z.B. Musik oder auch durch sportliche Konzentration), zumeist ist dann aber das wahrnehmende Bewusstsein in dem alternativen Medium in einer ähnlichen Weise gefangen.
Steht also hinter dem "denkenden Selbst" zunächst einmal das "wahrnehmende Selbst"? Was nehmen wir wahr? Die Informationen, die unsere (körperliche) Einheit erreichen, werden in dieser Einheit auf eine uns selbst nicht wahrnehmbare Weise umgesetzt und gefiltert und treten schließlich zu einem geringen Teil als Wahrnehmung in Erscheinung (wie auch immer). So haben wir auch in uns viele Masken (Filter), die uns nur das wahrnehmen lassen, was wir wahrnehmen ... sollen? können? wollen?
Zumindest zum Teil sind diese Filter durch die sozialen Interaktionen im Laufe unseres meist schon frühen Lebens entstanden und sind wohl notwendig, da unsere Wahrnehmungskapazität begrent zu sein scheint und eine Einbettung in das soziale Umfeld überlebensnotwendig ist.
Also auch hier, in uns selbst, Masken über Masken.
Wo soll da ein wirkliches Selbst, ein
Kern-Selbst sein - sind wir nicht alle Androiden?